Das Forschungsprojekt OPEN-ACCESS-Strukturierte-Kommunikation (OA-STRUKTKOMM) wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit einer Laufzeit von zwei Jahren (15.02.2021 bis 31.01.2023) an der HTWK Leipzig gefördert. Das Projekt sieht sich in der Nachfolge des im März 2020 erfolgreich abgeschlossenen Projektes Open-Access-Hochschulverlag (OA-HVerlag), bei dem ein medienneutraler sowie kosten- und personaleffizienter Open-Access-Publikationsworkflow entwickelt wurde.

Kurzbeschreibung

Entwicklung einer XML-basierten Kommunikationsstruktur zur standardisierten Herstellung und Verbreitung von OA-Monografien, die Weiterentwicklung eines “Out-of-the-Box”-Publikationsservers sowie der Wissenstransfer des im Vorgängerprojekt OA-HVerlag entwickelten State-of-the-Art-Workflows auf andere Hochschulverlage.

Hintergrund

Die zeitnahe, transparente und nachhaltige Verbreitung nachprüfbarer wissenschaftlicher Ergebnisse stellt eine wesentliche Anforderung an die heutige bzw. zukünftige wissenschaftliche Form der Kommunikation und die dafür erforderliche Infrastruktur dar. Open Access stellt hierbei die Grundvoraussetzung für einen offenen und ungehinderten Zugang zu den Ergebnissen aktueller Forschung und neuesten wissenschaftlichen Informationen durch Rezipienten weltweit dar.

Zahlreiche Studien belegen, dass Open-Access-veröffentlichte Werke intensiver genutzt und zitiert werden. Daher ist Open Access nicht mehr aus der internationalen Forschungslandschaft wegzudenken. Umso notwendiger ist es, die sich aktuell als sehr heterogen darstellende Publikationsinfrastruktur für Open-Access-Veröffentlichungen leistungsfähiger zu machen und weitestgehend zu standardisieren. Einen Schritt dazu leistete das im März 2020 abgeschlossene, durch das BMBF geförderte Forschungsprojekt OA-HVerlag, in dessen Rahmen alle Prozesse, die in den verschiedensten Szenarien eines Open-Access-Publikationsworkflows auftreten können, zu identifizieren, zu abstrahieren und geordnet darzulegen. Die abschließenden Ergebnisse wurden in der Monografie „Open-Access-Publikationsworkflow für akademische Bücher – Ein Handbuch für Hochschulen und Universitäten“ veröffentlicht. Damit steht ein Arbeitsmittel für die Modellierung von OA-Publikationsworkflows für alle Beteiligten - Hochschulbibliotheken, Verlage, Distributoren und Verlagsdienstleister - zur Verfügung.

Forschungsziel

Da Prozesse über die gesamte mögliche Publikationskette zur Verfügung gestellt werden, sind die Freiheitsgrade für die Modelle sehr hoch. Darum ist es zunächst geboten, den Modellierungsprozess durch einen Beratungsprozess zu unterstützen. Daher sollen im Forschungsprojekt Beratungsstrategien und die zugehörigen Unterlagen entwickelt und getestet werden. Damit soll die Verbreitung und Durchsetzung des entwickelten Workflowmodells vorangetrieben werden. Die Schulungsstrategien und Schulungsunterlagen sollen Open Access als Addenten zum Modell veröffentlicht werden und Hochschulverlage in Gründung bei der Entscheidung über die individuell geeignete Workflowstrategie unterstützen und diesen dann ermöglichen, mit potentiellen Partnern bi- oder multilaterale Publikationsworkflows zu planen, zu entwerfen und ins Werk zu setzen.

Wie erwähnt, liegt mit dem Workflowmodell nun ein erster Baustein für eine leistungsfähige Publikationslandschaft vor. Die einzelnen Prozesse sind über Datenaustauschschnittstellen miteinander verbunden, über die sie Daten von vorhergehenden Prozessen konsumieren und (in der Regel durch den Prozess veränderte) an nachfolgende weitergeben. Die wichtigsten Daten wurden mit dem Workflowmodell qualitativ formuliert. Damit kann mit dem Workflowmodell auch bereits ein qualitatives Datenflussmodell formuliert werden. Dieses kann als Grundlage für die Erarbeitung konkreter Datenmodelle genutzt werden. Dieser Schritt ist im Moment noch durch weitestgehend individuelle Abstimmung zwischen den einzelnen Anbietern von Systemen im Workflowmodell. Da aber in der Regel die gleichen Daten ausgetauscht werden müssen und einzelne dieser Datensegmente bereits standardisiert sind (z.B. MARC) liegt es nahe, für die Workflows für OA-Publikationen und darüber hinaus generell für Publikationssysteme ein standardisiertes Kommunikationsschema zu entwerfen. Als Denkmodell soll dafür das Job Definition Format (JDF) herangezogen werden. JDF ist eine Datenstruktur (XML-Schema), die alle Produkte, Prozesse, Materialien (Ressourcen) und Maschinen (Ausrüstung) beinhaltet beschreibt und für die standardisierte Kommunikation zwischen allen prozessbeteiligten Systeme genutzt werden kann. Die zu entwickelnde Kommunikationsstruktur (für die als informationstechnisches Mittel ein XML-Schema anzunehmen ist) soll, nach dem Vorbild JDF, alle für OA-Publikationen in allen Ausprägungen zu kommunizierenden Daten enthalten. Darüber hinaus soll sie (wiederum nach dem Vorbild JDF) erweiterbar sein (was durch das intendierte XML-Format nativ gegeben wäre). Das Vorhandensein einer solchen Datenstruktur würde, bei eine weiten, möglichst flächendeckenden, Implementierung durch die prozessbeteiligten Systeme eine signifikante Reduzierung der Aufwände für die Implementierung von individuellen OA-Workflows haben und damit die strukturellen, technologischen und nicht zuletzt betriebswirtschaftlichen Barrieren senken. 

Dies hat auch das dritte Vorhaben im Fokus. Im Rahmen des Projektes OA-HVerlag wurde ein Prototyp eines weitestgehend automatisierten Satzsystems für die Herstellung von OA-Publikationen ohne spezifisches herstellerisches Wissen implementiert. Dieses automatisierte Satzsystem wurde als Referenzsystem für den Vergleich verschiedener Herstellungsworkflows (von der kompletten Eigenfertigung bis zum kompletten Outsourcing) herangezogen sowie zur Herstellung der umfangreichen und satztechnisch nicht einfachen Monografie. Damit konnte gezeigt werden, bis zu welchem Maß gute Typografie auch automatisiert mit Hilfe von Stylesheets erreicht werden kann. Der Prototyp verwendet ausschließlich freie (Open Source) und plattformunabhängige Software und fügt sich damit auch ideell in das Open-Science- bzw. Open-Access-Konzept ein. Der bestehende Prototyp soll zu einer leistungsfähigen und robusten Out-of-the-Box-Lösung weiterentwickelt werden. Diese soll ermöglichen, in Hochschulbibliotheken ohne Personal mit herstellerischen Kenntnissen Hochschulschriften mit limitierten Freiheitsgraden hinsichtlich Durchsatz und Gestaltung herzustellen. Die Lösung soll einfach und schnell installiert werden können und einfach zu bedienen sein. Sie soll mit standardisierten Templates und Stylesheets ausgeliefert werden, welche aber, bei entsprechenden Kenntnissen bzw. durch Unterstützung, individuell angepasst werden können. Die Lösung soll als Open-Source-Lösung zur Verfügung gestellt werden.